15Os92/03

Gericht

OGH

Entscheidungsdatum

21.08.2003

Geschäftszahl

15Os92/03

Kopf

Der Oberste Gerichtshof hat am 21. August 2003 durch den Senatspräsidenten des Obersten Gerichtshofes Dr. Markel als Vorsitzenden sowie durch die Hofräte des Obersten Gerichtshofes Dr. Schmucker, Dr. Zehetner, Dr. Danek und Dr. Kirchbacher als weitere Richter, in Gegenwart des Richteramtsanwärters Mag. Dachsberger als Schriftführer, in der Strafsache gegen Erich L***** und einen anderen Angeklagten wegen des Verbrechens der Untreue als Beteiligter nach §§ 12 3. Fall, 153 Abs 1 und Abs 2 2. Fall StGB über die Nichtigkeitsbeschwerden und die Berufungen der Angeklagten Erich L***** und Herbert Edmund K***** gegen das Urteil das Landesgerichtes Wels als Schöffengericht vom 10. Oktober 2002, GZ 13 Hv 73/02t-137, nach Anhörung der Generalprokuratur in nichtöffentlicher Sitzung den Beschluss

gefasst:

Spruch

Die Nichtigkeitsbeschwerden werden zurückgewiesen.

Zur Entscheidung über die Berufungen werden die Akten dem Oberlandesgericht Linz zugeleitet.

Gemäß § 390a StPO fallen den Angeklagten auch die Kosten des bisherigen Rechtsmittelverfahrens zur Last.

Text

Gründe:

Mit dem angefochtenen Urteil, welches auch einen rechtskräftigen Schuldspruch eines weiteren Angeklagten und in Rechtskraft erwachsene Teilfreisprüche (darunter auch einen rechtlich verfehlt lediglich hinsichtlich der Schadenshöhe) enthält, wurden Erich L***** und Herbert Edmund K***** des Verbrechens der Untreue als Beteiligte nach §§ 12 3. Fall, 153 Abs 1 und Abs 2 2. Fall StGB schuldig erkannt. Danach haben Erich L***** und Herbert Edmund K***** im Jahre 1993 in Frankfurt an der Oder in Gesellschaft des gleichzeitig rechtskräftig verurteilten Franz T***** dadurch zu der vom deutschen Staatsangehörigen Harald G***** als Geschäftsführer der S***** (S*****) GesmbH begangenen Untreue zum Nachteil dieser Gesellschaft, der die ihm durch Gesetz als Geschäftsführer eingeräumte Befugnis, über fremdes Vermögen, nämlich das der S***** GesmbH zu verfügen, dadurch wissentlich missbrauchte, dass er

a) die Ausstellung einer Scheinrechnung der M***** GesmbH (M*****) an die S***** GesmbH mit Datum vom 8. November 1993 über den Rechnungsbetrag von 1,380.017,36 DM und die Leistung einer Zahlung der S***** GesmbH an die M***** GesmbH auf Grund dieser Scheinrechnung in unbekannter, jedoch zumindest 1,310.657,20 DM erreichender Höhe und

b) die Ausstellung zweier Scheinrechnungen der Firma T***** GesmbH an die M***** GesmbH mit Datum vom 7. Dezember 1993 über den Rechnungsbetrag von 547.735,13 DM und vom 14. Dezember 1993 über den Rechnungsbetrag von 803.457,85 DM und die Bezahlung dieser Rechnungen durch die M***** GesmbH an die Frank T***** GesmbH durch Überweisung von 779.354,11 DM am 17. Dezember 1993 und von 531.303,07 DM am 21. Dezember 1993, insgesamt somit von 1,310.657,20 DM veranlasste und

c) von der Firma T***** GesmbH einen Betrag von 1,010.954 DM im Hinblick auf diese Manipulationen entgegennahm, um "möglicherweise" damit von Dritten für die S***** GesmbH erbrachte Leistungen zu bezahlen, wodurch die S***** GesmbH zumindest in der Höhe der Differenz des von der S***** GesmbH über die M***** GesmbH an die Franz T***** GesmbH bezahlten Geldbetrages in der Höhe von 1,310.657,20 DM und des von der Franz T***** GesmbH an Harald G***** weitergegebenen Geldbetrages in der Höhe von 1,010.954 DM, sohin in der Höhe von 299.703,20 DM (d.s. 153.235,81 Euro) geschädigt wurde, dadurch beigetragen, dass Erich L***** und der rechtskräftig verurteilte Franz T***** den Herbert Edmund K***** dazu bestimmten, die beiden Rechnungen der Franz T***** GesmbH an die M***** GesmbH vom 7. Dezember 1993 über 547.735,13 DM und vom 14. Dezember 1993 über 803.457,85 DM zu schreiben, Herbert Edmund K***** die Rechnungen tatsächlich schrieb und Franz T***** sodann die Übermittlung dieser beiden Rechnungen an die M***** GesmbH veranlasste, wobei sie jeweils im Wissen über den Vollmachtsmissbrauch des Harald G***** waren. Gegen dieses Urteil richten sich die getrennt ausgeführten Nichtigkeitsbeschwerden der Angeklagten, von Erich L***** gestützt auf Z 5, 5a und 9 lit a, von Herbert Edmund K***** auf Z 5, 5a, 9 lit a und 10 des § 281 Abs 1 StPO. Sie sind nicht berechtigt.

Rechtliche Beurteilung

Zu den (undifferenziert ausgeführten) Mängel- (Z 5) und Tatsachenrügen (Z 5a):

Der Angeklagte Erich L***** behauptet eine unzureichende, weil unvollständige Begründung des Urteils. Erhebliche Bedenken bestünden gegen Feststellungen von entscheidenden Tatsachen.

Entgegen der Beschwerde hat das Erstgericht einen wissentlichen Befugnismissbrauch des unmittelbaren Täters Harald G***** nicht nur festgestellt (US 15), sondern auch ausführlich mit den Aussagen der Zeugen Franz H***** und Jutta M***** sowie des Mitangekagten K***** begründet (US 27).

Der vom Schöffengericht konstatierte Schaden von 299.703,20 DM resultiert aus der Differenz zwischen dem tatsächlichen, der Firma S***** GesmbH auf Grund der Scheinrechnungen entzogenen Geldbetrages von 1,310.657,20 DM und dem an Harald G***** zur Begleichung von Schwarzarbeit übergebenen Betrag von 1,010.954 DM. Von letzterer Tatsache sind die Tatrichter im Zweifel ausgegangen. Den Differenzbetrag rechneten sie als (Mindest-)Schaden zu, weil er der S***** GesmbH ohne entsprechende Gegenleistung entzogen worden war und nicht mehr in deren Vermögenssphäre zurückgelangte. In der Beschwerdeausführung zu diesem Nichtigkeitsgrund bezweifelt Erich L***** ferner seine Beteiligung, weil die vom Erstgericht zur Begründung der diesbezüglichen Feststellungen herangezogenen Aussagen der Zeugen F*****, G***** und K***** sowie des Mitangeklagten K***** (US 19 ff) "mit allergrößter Vorsicht zu würdigen" seien. Er greift im Folgenden einen Teil der Aussagen dieser Personen heraus, nimmt deren eigenständige Würdigung vor, spricht ihnen Glaubwürdigkeit ab und bezeichnet die Aussagen teilweise als unverwertbar. Damit verkennt der Beschwerdeführer aber das Wesen des Nichtigkeitsgrundes des § 281 Abs 1 Z 5 StPO, wenn er - wie es in diesen Ausführungen zum Ausdruck kommt - der Auffassung ist, es wäre schon ein Begründungsmangel im Sinne dieser Gesetzesstelle, wenn im Urteil nicht der vollständige Inhalt sämtlicher Aussagen von Angeklagten und von Zeugen sowie sämtliche Verfahrensergebnisse schlechthin erörtert und daraufhin untersucht werden, wie weit die einzelnen Angaben oder sonstigen Beweisergebnisse für oder gegen diese oder jene Darstellung sprechen und sich das Gericht bei der Würdigung von Aussagen oder sonstigen Beweisergebnissen nicht von vornherein mit allen vom Beschwerdeführer nachträglich ins Treffen geführten Gesichtspunkten befasst hat. Denn gemäß § 270 Abs 2 Z 5 StPO besteht die Aufgabe des Gerichtes darin, die schriftliche Urteilsbegründung in gedrängter Darstellung abzufassen (EvBl 1972/17 uva).

Mit seinen weitwendigen Ausführungen bekämpft Erich L***** somit nur unzulässig die Beweiswürdigung des Kollegialgerichtes nach Art einer Schuldberufung. Er zeigt damit aber weder Begründungsmängel im Sinne der Z 5 des § 281 Abs 1 StPO auf, noch vermag er damit aus den Akten Umstände darzulegen, welche erhebliche Bedenken gegen die Beweiswürdigung in entscheidungswesentlichen Fragen aufkommen lassen (Z 5a).

Der Angeklagte Herbert Edmund K***** behauptet, zu seiner Beteiligung am Verbrechen der Untreue liege nur eine Scheinbegründung vor, Feststellungen zur subjektiven Tatseite fehlten überhaupt bzw seien diese nur mangelhaft begründet.

Dem ist zunächst entgegenzuhalten, dass das Schöffengericht den Tatbeitrag dieses Angeklagten durch Schreiben der Scheinrechnungen im Wissen um den Befugnismissbrauch des Harald G***** ausdrücklich konstatiert hat (US 15). Die Feststellungen zur objektiven Tatseite wurden auf die geständige Verantwortung des Angeklagten gestützt (US 19 f), die Wissentlichkeit aus verschiedenen im Beweisverfahren hervorgekommenen Indizien, insbesondere aus der objektiven Tatseite und den Angaben des Zeugen K***** (US 26) erschlossen. Die Tatrichter konnten nur nicht mit absoluter Sicherheit feststellen, ob der Angeklagte K***** die entsprechende Information schon früher vom Zweitangeklagten L***** oder vom Zeugen K***** unmittelbar vor dem Schreiben der Scheinrechnungen erhalten hatte. Jedenfalls wusste er zum Zeitpunkt seiner Beitragshandlung von den bevorstehenden wissentlichen Missbrauchshandlungen des Harald G***** (US 29). Die angeführten Gründe entsprechen den Grundsätzen der Logik und stehen mit den Erfahrungen des täglichen Lebens im Einklang. Die dagegen auf einzelne Teile des Beweisverfahrens gestützten Einwände versuchen die Beweiswürdigung des Schöffensenates nach Art einer Schuldberufung in Frage zu stellen. Sie vermögen aber keinen Begründungsmangel oder Umstände aufzuzeigen, die erhebliche Bedenken gegen die Feststellung entscheidender Tatsachen erzeugen könnten. Der Umstand, dass aus dem Beweisverfahren auch andere, für den Angeklagten günstigere Schlüsse möglich wären, vermag die Nichtigkeitsgründe der Z 5 und 5a des § 281 Abs 1 StPO nicht zu begründen (Mayerhofer StPO4 § 281 Z 5 E 145, 147; Z 5a E 17).

Zu den Rechtsrügen (Z 9 lit a):

Beide Beschwerdeführer behaupten, es sei kein Schaden zum Nachteil der Firma S***** GesmbH entstanden, weil die Vergabe eines offiziellen Auftrages an ein steuerpflichtiges Unternehmen für die Firma wesentlich teurer gekommen wäre.

Sie übergehen dabei aber, dass ein Schaden von 299.703,20 DM festgestellt wurde, und legen nicht dar, warum die mangelnde Rückzahlung des für behauptete Schwarzarbeiten nicht verbrauchten Geldes keinen Schaden für die GesmbH darstellen soll. Darüber hinaus wird nicht ausgeführt, wer aus welchem Rechtstitel Anspruch auf den genannten, der Firma entzogenen Betrag haben sollte und warum es daher ergänzender Feststellungen zu diesem Rechtsanspruch bedurft hätte.

Wenn die Rechtsmittelwerber das Vorliegen der subjektiven Tatseite sowohl bei ihnen als auch beim unmittelbaren Täter G***** bestreiten, übergehen sie die ausdrücklichen Konstatierungen, wonach sie es "für gewiss hielten", dass der Zeuge G***** seine ihm durch Gesellschaftsvertrag eingeräumte Befugnis, über das Vermögen der S***** GesmbH zu verfügen, dadurch wissentlich missbrauchte, dass er auf Grund einer Scheinrechnung einen Geldbetrag von seiner Firma auszahlen ließ, wodurch dieser letztlich ein Schaden von 299.703,20 DM entstand (US 15).

Da die Beschwerdeführer somit nicht den gesamten im Urteil festgestellten Sachverhalt mit dem darauf angewendeten Gesetz vergleichen, sind ihre Rechtsrügen nicht prozessordnungsgemäß dargestellt (Ratz, WK-StPO § 281 Rz 581).

Zur Subsumtionsrüge (Z 10) des Angeklagten K*****:

Diese ist schon deswegen nicht gesetzmäßig ausgeführt, weil sie nicht jenes Strafgesetz bezeichnet, welches auf den festgestellten Sachverhalt hätte angewendet werden sollen (Mayerhofer aaO § 281 Z 10 E 8). Der Nichtigkeitswerber übergeht zudem neuerlich sein Wissen über die missbräuchliche Vorgangsweise des Harald G*****. Die Nichtigkeitsbeschwerden der Angeklagten Erich L***** und Herbert Edmund K***** waren daher - in Übereinstimmung mit der Stellungnahme der Generalprokuratur, jedoch entgegen der vom Verteidiger gemäß § 35 Abs 2 StPO erstatteten Äußerung - teils als unbegründet, teils als nicht dem Gesetz gemäß ausgeführt bei nichtöffentlicher Beratung sofort zurückzuweisen (§ 285d Abs 1 Z 1 und 2 iVm § 285a Z 2 StPO). Daraus folgt, dass zur Entscheidung über die Berufungen der Gerichtshof zweiter Instanz zuständig ist (§ 285i StPO).